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Biographie

Daniel RieserBegonnen hat er 1986, als er sich statt für die Abschluss-prüfung als Gärtner zu lernen in den Keller setzte, und eine drachenähnliche Figur herstellte. Als diese fertig war, hatte er schon die Idee für die zweite Figur im Kopf, und so ging es Immer weiter. Natürlich hatte schon die zweite Figur im Keller keinen Platz mehr und musste in der Garage fertiggestellt werden. Da die Figuren zum Trocknen viel Zeit benötigen, musste Daniel eine neue Lösung finden und mietete bei einem Bauern eine Scheune. Dort hat er heute sein Atelier und alle Figuren befinden sich dort.

Die Figurenherstellung nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und hat in Daniels Leben eine zweite Ebene geschaffen. Um die Materialien zu finanzieren arbeitet er Zeitweise bei seinem früheren Arbeitgeber als Gärtner. Oft sitzt er bis spät nachts oder früh morgens im Atelier und taucht in seine Arbeit ein.

Motivation -Innere Bilder -Verarbeitung

Seine Tonfiguren entspringen aus inneren Bildern. Er mag sich nicht festlegen, von wo diese Bilder stammen, zwar wissen wir um unsere Phantasie, aber woher diese sich nährt, wissen wir nicht. Ob es Erinnerung, Schöpfung oder Ahnung, z.B. von anderen Lebensformen ist, wissen wir nicht. Diese Bilder sind so stark, dass sie förmlich nach Ausführung schreien, schon während dem Schaffen an einer Figur brennen Ideen für eine neue. Da die Ausführung dieser Figuren viel Zeit benötigt, wachsen die Ideen während der Arbeit bis ins kleinste Detail. Die Vorstellungen werden laufend, in unwahrscheinlich sensibler Feinarbeit, umgesetzt.

In einer Zeit, wo die Menschen eine Unmenge von Bildern und Informationen verarbeiten müssen, ist der künstlerische und handwerkliche Ausdruck ein gutes Mittel dafür. Ich denke, dass Daniel sich über das Ziel, was mit den fertigen Figuren geschehen soll, noch nicht im klaren ist. Das Ziel ist im Moment die Arbeit. Der Drang von Daniel, seine inneren Gedanken in Lehmfiguren umzusetzen ist stark und ich spürte seine Freude und sein Engagement. Und auch seinen inneren Reichtum und seine, Kreativität haben mich beschenkt. Daniel erklärte mir, dass er Angst hatte, durch Popularität diese Kreativität zu verlieren und er nimmt nur ab und zu einen Auftrag an.

Einerseits sind es Bilder, anderseits sind es Gedanken über die Welt und Philosophie die er umsetzt. Gedanken über Kräfte, die die Welt beeinflussen und Themen wie Tod Kraft Wachstum und Macht. Er schafft Wesen. die diese Themen verkörpern und zum Ausdruck bringen. Der Tod als Ursprung des Lebens der nicht verdrängt werden darf sondern eingebunden werden soll. Kraft Schlechtes zum Guten zu wenden, ohne die dunkle Seite des Seins abzulehnen und zu verneinen. Seine Wesen tragen Symbolik in sich und sind formale Geschichten Mit geballter Kraft stehen sie im Raum und strahlen Bilder aus, die berühren; auf welche Art, Ist schlussendlich dem Betrachter überlassen. Trotzdem verlässt mich das Gefühl nie ganz, dass die Wesen von einem andern Planeten stammen könnten.

Die Motivation ist der intensive Drang nach Verarbeitung von Vorstellungen und Bildern, die Verwirklichung einer anderen Dimension.

Gesellschaft und Wirtschaft

Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der vor allem die technische Kommunikation enorm gefördert und entwickelt wird. Über Fernsehen, Radio, Satelliten und Internet, um nur einige Informationsspender zu nennen, werden wir jeden Tag mit einer Unmenge von Informationen und Bildern gespeist. Wir konsumieren diese Flut meist als passive Zuhörer bzw. -seher und können darauf nur mit unserem Verstand und Gefühl reagieren aber eigentlich nicht aktiv eingreifen. Um gefühlsmässig nicht abzustumpfen, müssen wir diese Bilder verarbeiten können und sie in irgend einer Form wieder zum Ausdruck bringen. Ein solcher Ausdruck sind für mich die Lehmfiguren von Daniel. Ich denke, dass er viele Informationen und Bilder in seine Wesen einbringt. So geschaffene Figuren kommunizieren auf ihre Art.

Das Schaffen von Daniel steht in starkem Gegensatz zu der Wirtschaftsentwicklung unserer Zeit. Während in vielen Produktionszentren raschmöglichst Produkte hergestellt werden, für welche mit suggestiven Werbemitteln ein Käufer gesucht wird, braucht die Herstellung von Daniels Figuren enorm viel Zeit. Zudem weiss er schon während der Herstellung dass er die Figuren nicht verkaufen will. Natürlich muss er diese Haltung auch finanzieren, und arbeitet zeitweise als Gärtner, um sich seine Existenz und die anfallenden Materialkosten finanzieren zu können.

Form und Technik

Die Technik hat er sich in den letzten 10 Jahren nach und nach selber erarbeitet Durch Ausprobieren und Erfahrungen machen entwickelte er ein System und setzte dieses allen Meinungen entgegen, dass es gar nicht möglich sei, Figuren in dieser Grösse und Art zu modellieren.

Beim „King of Power" begann er in der Mitte, also beim Bauch. Er fing mit einem inneren Kammeraufbau an, einem Gerüst ähnlich wie beim Flugzeugbau. Die Kammern sind nötig, damit die Hitze beim Brennen zirkulieren kann. Dieser Kammeraufbau wird in eineinhalb Meter über Boden, auf Stützen begonnen. Mit Spannset wird der Tonkörper zudem an der Decke aufgehängt und zusätzlich gestützt. Dann entsteht vom Bauch her langsam der ganze Körper, gebaut nach vorne Richtung Kopf. Daniel arbeitet immer mit seinen Vorstellungen, auch anatomisch gesehen. Er stellt sich vor, wo sich das Herz befinden muss, wo die Lunge usw., damit das Wesen überhaupt lebensfähig wäre, so entstehen die Proportionen direkt an der Tonfigur. Die Idee ist, dass der Körper vom Kopf her gesteuert wird, und die Vorstellung und Kommunikation mit der Figur fällt Ihm leichter, sobald der Kopf geschaffen ist. Es folgen die Beine, der Schwanz und die Grobform entsteht. Beim "King of Power" benötigte die Grobform 3 Jahre.

Dann erfolgen die Details, die enorme Feinarbeit und die Fertigstellung braucht nochmals unendlich viel Zeit und Geduld. Wenn die Figur fertig ist, wenn nichts mehr hinzugefügt werden kann, beginnt die Trocknung.

Das Brennen ist nochmals eine sehr aufwändiger Schritt. Die Figur zu transportieren braucht ausserordentliche Sorgfalt, noch kann alles zerstört werden. Die riesigen Figuren werden schon aus exakt konstruierten Gestellen gebaut und können mit dem ganzen Gestell auf einen Sattelschlepper geladen werden. Die Figur ist mit unzähligen Spannset an das Gestell aufgehängt. So gelangen sie in die Ziegelfabrik. Nun braucht es Hilfe von mehreren Leuten, die Figur auf den Brennwagen zu heben. Damit sie in einem ca. 70-stündigen Brennprozess bei ca. 1030 Grad Hitze durch den Ofen geschickt werden kann. Ich kann mir vorstellen, was es bedeutet, wenn diese Figur unbeschadet aus dem Ofen kommt, nach intensivster Auseinandersetzung mit dieser Arbeit.